Mit einer gut sitzenden Jeans, schwarzem Gürtel, dem schlichten, nicht ganz ordentlich in die High Waist Hose gesteckten Oberteil, so fühle ich mich aktuell wohl in der Arbeit. Über die Zeit ist mein Stil etwas weiblicher und farbenfroher geworden, aber Röcke ziehe ich nach wie vor erst ab 36 Grad an. Woran liegt das?
Ein Begriff auf den ich gestoßen bin ist: "Downdressing". Es bedeutet, dass man sich modisch zurück nimmt. Ein Grund dafür kann z.B. eine Angleichung des Dresscodes an den "Büro-Standard" sein. Es kann aber auch bedeuten, dass Frau die weiblichen Reize lieber versteckt und unaufällige, androgyne Kleidung wählt. Die Grundidee dahinter: unter den Männern nicht noch exotischer zu wirken und die Angst: als hübsches "Blödchen" abgetan zu werden, kann ich nur zu gut nachfühlen. Richtig Blöd wird es aber erst wenn dabei der Wohlfühl-Faktor und somit das Selbstbewusstsein auf der Strecke bleiben. Denn nur wer sich hübsch fühlt, fühlt sich stark und nur wer sich stark fühlt - ist stark!
In einem Buch, das ich einmal gelesen habe, gab es eine Anwältin. Diese kleidete sich bewusst besonders weiblich und floral, um unterschätzt zu werden. Sie nutzte das Bild der unschuldigen Frau um daraus einen Vorteil zu ziehen. Die Anwältin spielte keine große Rolle im dem Buch - trotzdem ist gerade sie mir im Gedächnis geblieben. Wie gerne wäre ich so selbstbewusst, das ich mit dem Fremdbild spielen könnte. Aber was nicht ist kann ja noch werden!
Und was die Anwältin noch sehr gut verkörpert ist, dass wir Frauen unter Männern unseren Sonderstatus auch nutzen können. Wer heraussticht bleibt schließlich im Gedächnis. Und wenn mir jemand einen Gefallen nur so gerne tut weil ich eine Frau bin, kann es mir im endeffekt auch egal sein - solange ich bekomme, um was ich gebeten habe.
Und warum verbinde ich Hosen nach wie vor mit Männlichkeit? Wo wir Frauen doch schon seit der französischen Revolution um die Hose kämpfen? Andererseits. Warum dürfen die Männer bei 36 Grad keinen Rock anziehen? Meine Kollegen haben auf jeden Fall schon das ein oder andere Mal neidisch geschaut 😎.
Also wer hat jetzt die Hosen an?
Ich glaube das wichtigste ist, dass wir uns in unserer Haut wohl fühlen. Die erste Zeit, in der ich mit Jeans und Polo die Uniform meiner Kollegen nachgeahmt habe, war das genau richtig so. So konnte ich erstmal ein Gefühl für mich und meine Umgebung entwickeln. Wenn ich jetzt eine auffälligere Bluse oder einen Rock trage, kann ich es mit gutem Gefühl tun. Denn Gleichberechtigung darf nicht bedeutet, dass wir alle Männer werden. Wir müssen also einen Weg finden wie wir uns nicht trotz, sondern mit unserer Weiblichkeit kompetent und stark fühlen. Und dann kann Frau auch den Rock anhaben.
Larissa
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