30 Januar 2021

Wer hat die Hosen an?

Mit einer gut sitzenden Jeans, schwarzem Gürtel, dem schlichten, nicht ganz ordentlich in die High Waist Hose gesteckten Oberteil, so fühle ich mich aktuell wohl in der Arbeit. Über die Zeit ist mein Stil etwas weiblicher und farbenfroher geworden, aber Röcke ziehe ich nach wie vor erst ab 36 Grad an. Woran liegt das? 


Ein Begriff auf den ich gestoßen bin ist: "Downdressing". Es bedeutet, dass man sich modisch zurück nimmt. Ein Grund dafür kann z.B. eine Angleichung des Dresscodes an den "Büro-Standard" sein. Es kann aber auch bedeuten, dass Frau die weiblichen Reize lieber versteckt und unaufällige, androgyne Kleidung wählt. Die Grundidee dahinter: unter den Männern nicht noch exotischer zu wirken und die Angst: als hübsches "Blödchen" abgetan zu werden, kann ich nur zu gut nachfühlen. Richtig Blöd wird es aber erst wenn dabei der Wohlfühl-Faktor und somit das Selbstbewusstsein auf der Strecke bleiben. Denn nur wer sich hübsch fühlt, fühlt sich stark und nur wer sich stark fühlt - ist stark!

In einem Buch, das ich einmal gelesen habe, gab es eine Anwältin. Diese kleidete sich bewusst besonders weiblich und floral, um unterschätzt zu werden. Sie nutzte das Bild der unschuldigen Frau um daraus einen Vorteil zu ziehen. Die Anwältin spielte keine große Rolle im dem Buch - trotzdem ist gerade sie mir im Gedächnis geblieben. Wie gerne wäre ich so selbstbewusst, das ich mit dem Fremdbild spielen könnte. Aber was nicht ist kann ja noch werden!
Und was die Anwältin noch sehr gut verkörpert ist, dass wir Frauen unter Männern unseren Sonderstatus auch nutzen können. Wer heraussticht bleibt schließlich im Gedächnis. Und wenn mir jemand einen Gefallen nur so gerne tut weil ich eine Frau bin, kann es mir im endeffekt auch egal sein - solange ich bekomme, um was ich gebeten habe.

Und warum verbinde ich Hosen nach wie vor mit Männlichkeit? Wo wir Frauen doch schon seit der französischen Revolution um die Hose kämpfen? Andererseits. Warum dürfen die Männer bei 36 Grad keinen Rock anziehen? Meine Kollegen haben auf jeden Fall schon das ein oder andere Mal neidisch geschaut 😎. 

Also wer hat jetzt die Hosen an?
Ich glaube das wichtigste ist, dass wir uns in unserer Haut wohl fühlen. Die erste Zeit, in der ich mit Jeans und Polo die Uniform meiner Kollegen nachgeahmt habe, war das genau richtig so. So konnte ich erstmal ein Gefühl für mich und meine Umgebung entwickeln. Wenn ich jetzt eine auffälligere Bluse oder einen Rock trage, kann ich es mit gutem Gefühl tun. Denn Gleichberechtigung darf nicht bedeutet, dass wir alle Männer werden. Wir müssen also einen Weg finden wie wir uns nicht trotz, sondern mit unserer Weiblichkeit kompetent und stark fühlen. Und dann kann Frau auch den Rock anhaben.

Larissa

23 Januar 2021

Auf Augenhöhe?

Den größten Teil der Zeit ist mir gar nicht bewusst wie groß - bzw. klein - ich bin. Und dann werden irgendwo Gruppenfotos gemacht. Ich denke Mal jeder mit meiner Körpergröße hat schon: "Die Kleinen nach vorne." gehört. Und wenn ich mir dann danach das Foto anschaue... Wow. Oke. Ich bin in der Tat kleiner als die Meisten.

Und dann gibt es noch eine Situation: Wenn ich mit Kollegen etwas diskutiere, dabei immer hochschaue, während man auf mich "herab blickt" und mir plötzlich meine Körpergrüße bewusst wird. Zack - sehe ich die Liste vor mir: Weiblich, Berufseinsteiger & sehr jung und KLEIN. Bumm - die volle Ladung Selbstzweifel. Kann man mich überhaupt ernst nehmen? Lohnt es sich meine Meinung kund zu tun? Mir hört doch sowieso keiner zu. Der Bauch grummelt. Ich wäre gerne wer anders und auch gerne wo anders.

Aber warum fällt mir der Größenunterschied nur auf, wenn ich mich in einer Situation unwohl fühle? Ist meine Körpergröße tatsächlich ein Nachteil?
Wenn man unterschiedlichen Quellen (z.B. der Karrierebibel) im Netz glaubt, gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Größe und Erfolg. Laut Untersuchungen kann man sagen, dass eine überdurchschnittliche Körpergröße ein hohes Maß an Bildung, berufliche Qualifikation und Gehaltsvorteile begünstigt. Das begründen Forscher unteranderem damit, dass bereits in der Steinzeit körperliche Überlegenheit ein Überlebensvorteil war und wir deshalb noch heute Körpergröße mit Stärke gleichsetzen. - Mhh, dann gehe ich wohl lieber Beeren sammeln. -
Andererseits: Zu groß sollte man auch nicht sein. Dann nimmt der Gehaltsvorteil laut Wirtschaftsforschung wieder ab. Eine Erklärung dafür: Personen mit überdurchschnittlicher Körpergröße ducken sich oft und machen sich kleiner. Diese Haltung wird dann mit Unsicherheit und fehlemden Durchsetzungsvermögen assoziiert. - Also Mädels, Krone richten und Kopf hoch! -

Und jetzt kommt das Beste. Die Studien sagen auch, dass bei Frauen die Körpergröße eine geringere Rolle als bei den Männern spielt. Viel entscheidender ist demnach das Gewicht. Als ob wir uns nicht sowieso schon genug Gedanken, um unser Gewicht machen ...

Wo ich allerdings zustimme. Auf Grund meiner geringen Körpergröße mache ich mich seit ich denken kann größer, indem ich sehr aufrecht stehe. Und mit dieser Körperhaltung fällt es mir deutlich leichter mich selbstbewusst und stark zu fühlen. - Das würde ja bedeuten meine "Größe" ist ein Teil von mir, der mir dabei hilft blöde Erfahrungen mit Haltung durchzustehen, um danach daraus zu lernen und weiter zu wachsen? -

Vielleicht müssen wir damit anfangen unsere vermeintlichen Nachteile als Vorteile kennenzulernen.

Larissa



Mädchen unter Männern

Erst diese Woche musste ich mich unserem neuen Abteilungsleiter vorstellen. Er ist neu und wir - meine Team-Kollegen und ich - sollten uns im Rahmen eines Skype-Termines kurz vorstellen. Und was soll ich sagen. Ich hasse das. Innerhalb von 5 min einen guten ersten Eindruck machen. Also habe ich mir vorher kurz Gedanken gemacht was ich sagen will und bin schon daran gescheitert, ob man sich im Beruf eigentlich immernoch mit dem Alter vorstellt.

Das bin ich. Larissa, 24 Jahre alt, seit gut einem Jahr berufstätig. Ich habe 2019 meinen Bachelor - Fachrichtung allgemeine Mechatronik - an der Dualen Hochschule als 1 von 7 Mädchen bestanden. Womit wir eine Frauenquote von 15 % hatten. Der höchste Wert der gesammten Fakultät Technik - seit der Gründung! Jetzt arbeite ich als Qualitätsingenieurin in der Qualitätssicherung eines Automobilherstelles. Wir bauen Sonderfahrzeuge. Und wer sich darunter nichts vorstellen kann stellt sich einen mit Spinat gefütterten LKW vor. :) In meinem Team ziehe ich den Altersdurchschnitt von 47 auf 44 Jahre. (Womit die Eingangsfrage beantwortet ist. Jap man stellt sich wohl immernoch mit dem Alter vor.) Und die Frauenquote ziehe ich von 0 auf 12,5 %. Immerhin.

In diesem Blog will ich mir die Frage stellen was es bedeutet JUNG, WEIBLICH und mit etwas Glück ERFOLGREICH zu sein. Ich will mich damit beschäftigen wie man als junge Frau auf andere wirkt, was ich selbst davon halte und wo ich eigentlich hin will bzw. hin gehöre.

Larissa